Die Erfindung der Kontaktlinsen war einer der revolutionärsten Meilensteine in der Geschichte der Optik. Dabei ist noch nicht einmal genau erwiesen, seit wann es die winzigen Haftschalen gibt, die einen wahren Siegeszug seit ihrem Erscheinen angetreten haben. Die Geschichte der Kontaktlinsen hat also einen ungenauen Start.
In manchen Chroniken ist von 1950 die Rede, doch die eigentliche Entwicklung hat bereits um 1890 begonnen. Zu dieser Zeit wurden Versuche mit Glasschalen durchgeführt, die eine große Ähnlichkeit mit Kontaktlinsen hatten. Mit diesen Glasschalen war es möglich, gewisse Fehlentwicklungen des Auges wie etwa Kurzsichtigkeit auszugleichen. Natürlich kann man die damalige Wirkung der Kontaktlinsen nicht mit der heutigen vergleichen, jedoch war ein großer Schritt in der Behandlung von Sehfehlern mit dem Einsatz dieser Glasschalen getan. Wer damals die Kontaktlinsen erfunden hat, ist bis heute nicht geklärt. Sicher ist aber, dass nahezu zeitgleich in einigen europäischen Ländern mit Experimenten begonnen wurde. Deutschland, Frankreich und die Schweiz waren die Länder, in denen die Ausgangspunkte der Kontaktlinsen liegen.
Zwischen 1890 und 1950 wurde es recht still um die Geschichte der Kontaktlinsen, die dem modernen Brillenträger fast grenzenlose Unabhängigkeit von seiner Sehhilfe ermöglichen. Es wurden zwar weiter Experimente in Ländern auf der ganzen Welt durchgeführt, doch bahnbrechende Ergebnisse, die die Kontaktlinsen zu einem Gebrauchsartikel für den Normalbürger machten, blieben aus. Das lag hauptsächlich daran, dass die Kontaktlinsen bis etwa 1935 aus Glas bestanden. Die Herstellung war teuer und aufwändig. Außerdem war die Verletzungsgefahr sehr hoch, wenn die Kontaktlinsen im Auge brachen. Ferner vertrug die Haftschalen aus Glas nicht jeder. 1936 wurden in den USA die ersten Kontaktlinsen aus PMMA hergestellt. Durch den Weltkrieg verzögerte sich die Entwicklung in Deutschland bis zum Jahre 1948. In diesem Jahr wurden in Kiel das erste Mal in Deutschland Kontaktlinsen aus PMMA produziert. 1955 letztendlich kam die erste Corneal-Kontaktlinsen auf den Markt, deren Form bis heute nur unwesentlich verändert wurde.
Ein weiteres Material für Kontaktlinsen ist HEMA. Kontaktlinsen aus HEMA wurden erstmalig 1960 in Tschechien hergestellt. Ab 1971 wurde dieser Stoff auch in Deutschland zur Erzeugung von Kontaktlinsen verwendet.
Kontaktlinsen werden umgangssprachlich in harte und weiche Kontaktlinsen eingeteilt. Dabei fallen Kontaktlinsen aus PMMA in die Kategorie der harten und Kontaktlinsen aus HEMA gehören zu den weichen Linsen. Seit den 70er Jahren werden Kontaktlinsen in bezug auf ihre Verträglichkeit, Stabilität und Tragekomfort ständig weiter entwickelt. Seit 1974 sind Kontaktlinsen aus CAB verfügbar, 1999 waren die ersten Kontaktlinsen aus Silikonhydrogel in Deutschland erhältlich.
Der Weiterentwicklung der Kontaktlinsen haben sich Entwickler auf der ganzen Welt verschrieben und es wird noch einige sensationelle Neuerungen auf diesem Gebiet geben. Permanent werden neue Materialgemische ausprobiert, um Kontaktlinsen für den Träger noch optimaler zu gestalten. Gegenwärtig wird an Kontaktlinsen gearbeitet, die dauerhaft und sogar über Nacht getragen werden können. Die kleinen Schalen können also weiter ihren Triumph genießen und werden Menschen rund um den Globus begeistern.